26. Juni: Barnolas-Firthfarm Ltd, das „Wunder von Dumfriés“

John hat eine lange Zeit als Elektroingenieur hinter sich. Er arbeitete auch viele Jahre in Kernkraftwerken. Zur Pensionierung bekam er eine „bildliche Berufsgeschichte“ geschenkt, welche die wichtigsten Tätigkeitsorte abbildet.

Die drei Bilder der unteren Reihe zeigen die Atomkraftwerke, in denen er beschäftigt war.

Auf die Kernkraft angesprochen, sagte ich ihm vor einem Jahr nur, dass darüber überhaupt keine Diskussion vonnöten sei, da alle damit Befassten ein unlösbares Problem kennen. Es heißt: Inner-Wall-Problem. Damit wussten wir beide, was gemeint ist.

Jean, ehemals auch wissenschaftlich tätig, hat die Problematik gestern Abend genial beschrieben, indem sie sich von mir Bob Dylans Lied „Blowing In The Wind“ wünschte und meinte, Bob Dylan hätte die Lösung des Problems schon vor Jahrzehnten gerade mit diesem Lied aufgezeigt: Blowing In The Wind. Denn, in Deutschland seien die Kernkraftwerke abgeschaltet worden und gerade deutsche Windkraft rettete vor drei Jahren Frankreichs Energieversorgung.

Damals konnte die Hälfte der wegen des Inner-Wall-Problems maroden Atomkraftwerke keinen Strom liefern, weil, weil sie wegen „Reparaturarbeiten“ stillgelegt waren und die übrigen etwa 25 Atommeiler konnten nicht genug Strom liefern, weil sie wegen der Hitze und Niedrigwassers, z. Bsp. im Rhein, nicht genügend Kühlkapazitäten zur Verfügung hatten und durch „Notgenehmigunggen den Fluss überhitzten…
FORTSETZUNG VOM 27. JUNI VON EINEM CAMPINGPLATZ 2KM ÖSTLICH VON GRETNA…

John sagte mir gestern, dass über Nacht Regen kommen würde und dieser morgen den ganzen Tag lang andauerte. Weil ich nur etwa 50 km bis zur Farm hatte und auch, falls ich dort nicht übernachten hätte können, es nur noch weitere gut 30 km bis Gretna , wären, wo ich zwei Tage verbringen wollte, um mich mit dem Ort zu „befreunden“, bin ich erst um 5:20 Uhr losgefahren.

Wegen des Windes blieben Innenzelt und Außenzelt innen trocken.

Ich trennte beide dennoch wieder.

Es nieselte schon. Bis ich los fuhr, hat sich der Nieselregen verstärkt und als ich dann unterwegs war, wurde er zum Starkregen.. Der Wind schob mich ein wenig. Er kam von hinten rechts, was zur Konsequenz hatte, dass mich die Laster unglaublich „einduschten“ wenn sie mich überholten. Am „angenehmsten“ waren mir die Holztransporterduschen, roch es doch dann so schön nach Harz von Nadelbäumen.
Und ihre Dusche dauerte wegen der Anhänger meistens doppelt so lange.
Ich fotografiere dieses Jahr keine überfahrenen Hirsche, ich zähle sie nur. Während ich bis zur Fähre nach Irland vier große Damhirschkadaver am Straßenrand liegen sah, hat sich die Zahl seit Cairnryan um vier dazugekommene Rehe vergrößert. Andere Tiere nehme ich nicht in die Statistik auf, das würde auch meiner Aufmerksamkeit nicht guttun.
Das Müllproblem, dass ich letztes Jahr schon an Autobahn- und Straßenrändern sah (S. Tour 2024) ist gleich geblieben.
Je näher ich der Stadt von Robert Burns kam, desto stärker regnete es. Ich hatte zwar nur gut 40 km bis dahin, ich war dafür dennoch recht früh gestartet. Schon in der Stadt angekommen, hätte ich mir aber nicht vorstellen können, dort heute noch Gitarre spielen zu können. Es goss.
Das Städtchen erreichte ich nach 40 km, wohl gegen 8:00 Uhr. Am zentralen Verkehrskreisel um das Burns-Denkmal stauten sich die Busse. Es lärmt e ein Kühllaster, dessen Tiefkühlladung in die nahen Supermärkte verteilt wurde. Die Menschen schienen zu hetzen, um in Busse, Schüler, um in die Schule zu gelangen.
Oh, es nieselte nur noch.!?

Ich setzte mich auf eine triefend nasse Bank und frühstückte.
Der heiße Tee tat gut.

ES REGNETE NICHT MEHR!!!

Die Wolkendecke schien sich zu heben, zu lichten. Sah ich da ein Stück blauen Himmels?

Es war unglaublich, innerhalb von etwa 10 Minuten oder einer Viertelstunde ein kleines „Wetterwunder“. Der lärmende Tiefkühllaster ist weggefahren, die Busse und Menschen waren plötzlich weg.
Stille.

Die Sonne schien!!! Ich beendete schnell mein Frühstück, schob mein Fahrrad ans Denkmal, packte die Gitarre aus, fotografierte das blumengeschmückte Postament Burns, spielte mit kräftigster Stimme „Mc Phersons Rant, wie seit dem Besuch des „Clan Macpherson Museums“ in Newtonmore gewünscht und erhofft.

WELCH EIN GLÜCK!

Eine Frau blieb stehen, betrachtete kurz mein Fahrrad, meine „Blitzinstallation“ und verschwand. Kein Mensch sonst war da.
Macht überhaupt nichts! Ich spielte und sang allein Jamie Mac Pherson, der am 16.11.1700 mit 25 Jahren in Banff trotz Begnadigung gehängt wurde, zur Ehre. Schnell packte ich danach alles wieder zusammen. Jetzt brauchte ich nur noch schnell einzukaufen.

Verdammt, die Läden waren ja alle noch geschlossen??? Ein Laden, den ich vom letzten Jahr her kannte, öffnete erst um 8:30 Uhr. Ich blickte auf die Kirchturmuhr: 7:30 Uhr.???

Kann doch nicht sein!?
War es auch nicht.

Die Kirchturmuhr kümmerte sich nicht um die Sommerzeit. Es war jetzt fast schon 8:30 Uhr. Gleich nach dem Einkauf begann es wieder zu regnen.

Eine wunderschöne alte Lindenallee entlang und an einem Gezeitenfluss, einem Fluss, der den nahen Meeresgezeitenrhythmus unterworfen war. Mehrere dieser Flüsse oder Flussarme gibt es in Süd-Schottland an der Westküste. Ich war schon letztes Jahr von ihrem Mäandern fasziniert.

Die Organic Firth Farm Ltd. (s. Tour 2024) ist nur 13 km von Burns Denkmal entfernt. Auf dem Wege dorthin „aromatisierten“ riesige Gülletransporter die Landschaft mit ihrer Ladung. Da wusste ich noch nicht, dass sie alle die Vorräte meiner Farm mit etwa 250 Milchkühen  dort von ihrer Last erleichtern. Am Haus von John Jamieson war niemand da. Obwohl ich John zwei emails zuschickte, bekam ich bislang keine Antwort.
Ich fragte einen der Treckerfahrer, ob er wisse, ob John oder sein Sohn Graham Zuhause seien. Er wusste es nicht. Weil mein Außenzelt klitschnass war, habe ich es trotz Sprühregens aufgestellt, um es zu trocknen. Die Ladung ließ ich zunächst noch auf dem Fahrrad..

Ich wartete. Die Kühe mussten ja mittags versorgt werden. So war es auch. Shaun, den ich noch vom letzten Jahr erkannte, begrüße mich freudig. Er sagte, Grahams Eltern seien zwar verreist,  Graham selber aber, der im Haus in Sichtweite wohnt, käme gegen 13:00 Uhr an der Farm vorbei. Shaun meinte auch, dass ich ganz sicher mein Zelt werde aufschlagen können und übernachten dürfen. Er könne es aber selber nicht entscheiden.

Die Nachricht freute mich sehr.
Ich wartete.

Der Himmel zeigte seine blaue Seite die Sonne strahlte. Auch Graham kam vorbei. Auch er strahlte. Wir begrüßen einander sehr herzlich. Kurz bevor Graham eintraf, erreichte mich auch die Mail seines Vaters, der just an dem Tag, als ich Nordirland verließ, beruflich bedingt die Fähre nach Nordirland nahm. Er freute sich sehr über meinen Besuch und wünschte, dass ich im Garten der Villa, wo ich vor einem Jahr konzertierte doch mein Zelt bitte aufschlagen möge, weil die Jauchetrecker so viel Lärm machten und ich es dort viel bequemer hätte. Auch Graham wollte mich dazu überreden. Ich aber wollte wie gewohnt an meiner alten Stelle übernachten, wo ich schon zweimal war, bei den Kälbchen. In einer Box waren sogar ganz seltene, unähnliche Zwillingskälbchen.
Das tat ich dann auch und teilte es dem Vater per Mail mit. Ich bekam auch bald noch aus Irland eine Antwort. Der Vater freute sich, dass ich wieder da bin, und bedauerte nochmals, dass wir einander nicht noch einmal sehen können.
Ich fühlte mich sehr wohl auf der Firth Farm: Die Kälbchen blökten, hunderte Stare flogen immer wieder auf und ab, Schwalben flitzten um meinen Kopf herum, oder ärgerten mit Scheinangriffen den Falken, der, weil bemerkt, keine Chance hatte, sie zu ergreifen. Brieftauben gurrten auf den Dächern der Farm. Die Kühe zogen in Langen Kolonnen zum melken.

Abends verzog sich der Himmell. Nachts sollte wieder Regen eintreffen…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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