12345 Tage Waldorflehrer

Zufällig“ 12345 Tage Waldorflehrer

Mit 12345 ist kein „schwaches Passwort“ gemeint. Der „Zufall“ hat es geregelt, dass vom 08.September 1986 bis zum Ende des Schuljahres 2019/2020 ganz ungeplant genau 12.345 Tage vergangen sind und ich aus dem Lehrerkollegium der Rudolf Steiner Schule Bochum ausgeschieden bin. Mein „Ruhestand“ begann.

Während des Studiums der Waldorfpädagogik In Witten-Annen ergab es sich, dass ich im Spätsommer 1985 ein Praktikum an der Rudolf Steiner Schule im dänischen Århus absolvierte und dort in der kompletten Oberstufe (9.-12. Kl.) für 4 Wochen das Fach Russisch neu einführte.  Damals erhielt ich auch die Zusage, nach dem Studium an dieser Schule als Lehrer anzufangen.

Dies ergab sich jedoch nicht. Vielleicht, weil meine Frau als Fachjuristin keine Möglichkeit gefunden hätte, in ihrem Beruf in Dänemark weiter zu arbeiten. Vielleicht aber auch, weil ich bereits 1984 durch ein besonders intensives Oberstufen-Russischpraktikum die Rudolf Steiner Schule Bochum und zugleich den dortigen Förderzug (Kleinklassenbereich)  kennengelernt hatte.

Freundschaftliche Kontakte zur Waldorfschule am Strandvejen in Århus blieben aber bis heute bestehen.

In „Kreidezeit“: „Grüße aus der Kreidezeit – Ich kann nicht malen, also male ich!“, meinem hier „nur“ digital veröffentlichten Buch zur Entstehung von Tafelbildern, erwähne ich im ersten Kapitel, direkt vor „Unser Stück Zeit“, dass es 1986 deutschlandweit 72 und weltweit knapp 300 Waldorfschulen gab.

Gegenwärtig (2026)  existieren in Deutschland  bald 300 und weltweit etwa 1300 Waldorfschulen.

Trotz der vielen seit 1986 erfolgten Veränderungen, gibt es zwischen 1986 und 2026 bemerkenswerte, sehr beständige Parallelen:

1986 und gegenwärtig dominierten und dominieren weltweit – gerade auch die Waldorfpädagogik besonders betreffend – ein beständiger Lehrermangel, eine Arbeitsüberlastung und permanent gefühlter, subjektiver  Zeitmangel  als die mit größten Herausforderungen der Steinerschen Pädagogik seit Gründung der ersten Stuttgarter Waldorfschule 1919 (neben vielen anderen, auch besonders spürbaren, lokalen Aspekten).

Es befiel mich in meiner Zeit als Lehrer und danach immer noch ein „kindliches Staunen“ ob dieser eingetretenen Entwicklung. Die Gegenwärtigkeit einzelner Kollegien weltweit und auch deren Wandlungsfähigkeit angesichts der jeweils unterschiedlichen Ortsbedingungen und Anforderungen, die Schulgründungen selbst und das Fortbestehen gegründeter Waldorfschulen allerorts betreffend, dürften zu dieser Entwicklung zwar beigetragen haben. Vieles diesbezüglich sollte und darf meiner eigenen Einschätzung nach jedoch gern, eher im „Rätselhaften“  verbleiben, statt sich im „Spekulativen“ zu verlieren.

Bezüglich der persönlichen Begegnungen, per Buch-, Wochenschrift-Lektüre oder auch direkt – während meiner 12.345 Tage als Waldorflehrer und später möchte ich hier nur sehr kurz vier Persönlichkeiten benennen.

-Bengt Ulin (1928-2022) Mathematiklehrer an der Stockholmer Kristofferskolan,

-Stefan Leber (1937-2015),

-Wolfgang Müller *1957:

-Jacques Lusseyran (1924-1971)

  • Von Bengt Ulin schwärmte mir schon, die im Zusammenhang mit den Arbeiten am Atlas und dem Botanikbuch der 5. Klasse erwähnte Schülermutter M. H.-Z. vor, deren Mathematiklehrer Bengt an der Kristofferskolan war. Ich lernte ihn in den Anfangsjahren meiner Lehrertätigkeit in Stuttgart, bei einer Lehrertagung kennen. Und auch sein Buch „Der Lösung auf der Spur – Ziele und Methoden des Mathematikunterrichts. Erfahrungen aus der Waldorfpädagogik“ war mir mit ein effektiver Begleiter während beider „Klassenlehrerdurchgänge“.
  • Mit Stefan Leber tauschte ich mich bei der Stuttgarter Waldorflehrertagung 1993(?) besonders über die Entwicklung der Osteuropakontakte aus, weil die Bochumer Schule etwa 20 Eltern der damals zu gründenden ersten russischen Waldorfschule aus Moskau empfing und ich alle Gäste in den Hauptunterricht (8.00-9.45 Uhr) zum Tierkunde-Unterricht meiner 5. Klasse einlud. Nachmittags war ich für das „Kulturprogramm“ der Moskauer Reisegruppe in Bochum zuständig.             Auch im Zusammenhang mit „aus der Zeit gefallenen“ Rassismusvorwürfen, die Wortwahl Rudolf Steiners im Gesamtwerk betreffend*, erwies sich Stefan Leber einige Jahre später als ein hilfreicher „Fels in der Brandung“. Leber besuchte damals viele Schulkollegien – die RSS Bochum ebenfalls – und war unserem Kollegium eine sehr willkommene Unterstützung für die Auseinandersetzung mit der, auch ob der vielen Schulneugründungen in der Medienwelt stark thematisierten Kritik.

*Rudolf Steiners Gesamtwerk ist seit 2026 voll verfügbar und umfasst 456 Bände…

  • Das Buch von Wolfgang Müller (bis 2020 Redakteur für Zeitgeschichte beim NDR) „Das Rätsel Rudolf Steiner/Irritation und Inspiration“ erschienen 2025 zu Steiners 100. Todestag erwähne ich hier aus einem besonderen, auch persönlichen Anlass: Die RSS Bochum stellte mir für die Verlosung im Zusammenhang mit dem unter „Waldorf News“ auch auf dieser Seite für den 20. Februar 2026 angekündigten musikalischen Irlandabend einige Bücher zur Verfügung. Ich selber nahm Ende Januar bis Mitte Februar In Innsbruck/Österreich an den Altersklassen-Eisschnelllaufweltmeisterschaften im Sprint sowie in Inzell/Deutschland an den Altersklassen-Eisschnelllaufweltmeisterschaften der Allrounder teil und hoffte, „Das Rätsel Rudolf Steiner…“ bis zur Rückkehr nach Bochum wenigstens durchgeblättert zu haben.                                               Indes: Nach nur drei Tagen, also eine halbe Woche vor Beginn der Sprintweltmeisterschaften im Innsbrucker Olympiastadion, hatte ich dieses Buch durchgelesen!

Ach, wie sehr hätte ich mir als junger Lehrer gewünscht, ein solches Buch – als Rätsellöser – zur Verfügung gehabt zu haben!

Der Philosoph RÜDIGER SAFRANSKI fasst den Buchinhalt in nur 16 Worten vortrefflich zusammen: „Ein Buch über Rudolf Steiner und die Anthroposophie, das auch den Verächtern Bedenkenswertes zu sagen hat.“

  • In „DAS GOETHEANUM“,  der Wochenschrift für Anthroposophie fand ich in der Ausgabe 1-2 vom 3. Januar 2025 den Beitrag von François Lusseyran: „War Jacques Lusseyran Anthroposoph?“.
    Auch heute verfalle ich gelegentlich noch ins Staunen, dass ich während meiner Anfangszeit als Lehrer der RSS Bochum mehrfach in den Pädagogischen Konferenzen der 1980er Jahre den Mut fasste zur folgender Einschätzung: Die Anthroposophie ist ein Dauerlauf über 3000m. Die besten Kräfte jenseits von Rudolf Steiner erreichten soeben die 3,5m-Marke. Da stört es mich nicht, dass ich selber gerade bei 50 Zentimetern angekommen bin…                                                                                         Damals erreichte ich bei meinem ersten und einzigen Laufmarathon im Novembernebel eine Zeit von knapp unter 3 Stunden.  Es geschah beim Dortmunder Hansemarathon; wir gewannen als Dreierteam – und trotz meiner „Langsamkeit“ – sogar die Mannschaftswertung. 

ALLES HAT SEINE ZEIT!

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Die Seite „12345 Tage Waldorflehrer“  böte ggf. unter „Waldorf News“ auch Möglichkeiten, Interessantes von Waldorfschulen weltweit zu erfahren.

  • Kreidezeit
  • Atlas 5.Kl.
  • Botanik 5.Kl.
  • Kochbücher 2.,7. Kl. und
  • Kalender/Geometrie                                                                                                                                   sind den „Waldorf News“ vorangestellte „Buchbeispiele“ aus der Realität zweier Klassenbiographien. Sie könnten dem jeweiligen „Finder“ auch gegenwärtig Anregungen bieten, aus einem anderen JETZT im ewigen SEIN.

Denn, wenn sich etwas einmal, in irgendeinem „gegenwärtigen JETZT“ manifestieren wollen sollte, dann findet sich auf jeden Fall genügend Zeit dafür.

ZEIT ist und bleibt IMMER (auch) ein Rätsel…


Abschließend bleibt hier nur noch zu bemerken, dass den unter „12345 Tage Waldorflehrer“ vorgestellten fünf pädagogischen Beispielen aus meiner seit 2020 mit wenigen Ausnahmen beendeten Lehrerpraxis*, keine weiteren Beispiele folgen werden. Auch sollten sie immer nur als Anregung dienen, auch die Fantasie aller Zufallsleser beflügeln, anstatt selbige einzugrenzen. Und auch wenn sie „recht umfangreich“ ausfallen, sich – wenn es sein soll – in Ausnahmefällen vielleicht sogar als eine Fundgrube erweisen könnten, machten sie allesamt nur ein „kleines Stück Zeit“ meines Lehrerdaseins aus. Ich bin insgesamt auch sehr froh darüber, dass dieser „Nachtfalkenblog“ bereits vor Antritt meiner 9. WALDORF ON THE ROAD Tour 2026 seine Abrundung „ganz nach meinen Intentionen“ fand.

Wie in den vorgehenden real absolvierten acht Soloradtouren – die ersten vier von ihnen fanden noch während meiner „12345 Lehrertage“ statt – beabsichtige ich auch weiterhin, nicht nur mit meinen Augen „in die Welt zu schauen“ und gegenwärtig etwas aus einem dann schon wieder aus der Zeit „gefallenen“ Jetzt abzugeben…

* (Als meistens stiller Teilnehmer besuche ich seit 2020 (falls ich nicht verhindert bin) die Pädagogischen Konferenzen der RSS Bochum und helfe auf Anfrage nach meinen Möglichkeiten aus.)

DANKE!

Euer Reinhold Marsollek

Bochum, 21.05.2026 (kurz vor Pfingsten)