22.Juni: 52 km von Blönduós nach Varmahlið über einen Pass von 440 Höhenmetern. Fast ein Ruhetag…

Heute komme ich kaum zum Schreiben hier in Varmahlíð. Zuviel los, zuviel Interessierte…

Ein paar Reiseeindrücke vorab:

Ziel im Regen um 11 Uhr Ortszeit erreicht.

 

Es regnete nachts, bevor ich wach wurde.

Innenzelt ausgeknüpft.
Start 5.17 Uhr Ortszeit.

20 km Regen, 20 km flach, dann Aufstieg von 100 auf 440 m. Hauchleichter Rückenwind.
Vor einem Radler fliehen gewöhnlich alle Schafe. Steigt dieser ab vom Fahrrad, so erkennen sie den Menschenanteil und galoppieren geradezu auf diesen zu. Bei mir jedenfalls.

Um nicht zu verschwitzt oben anzukommen, wählte ich den 1. Gang aus und stieg mit etwa 5.5 km/h hoch. Pausen waren nur für Fotozwecke nötig.

Regen bei der Ankunft. Auch kalt. Ich bin aber nicht ganz so verfroren wie gestern. Und immer wieder kommt neuer Regen. Dennoch trocknete das Außenzelt schnell und ich konnte bald das Innenzelt einknüpfen.
Abends kommt jemand um die Gebühr einzunehmen. Da schlafe ich wohl schon, werde aber sicher geweckt werden…

Der Platz ist um 19.20 Uhr schon gut gefüllt.

Das Küchengebäude, in dem ich heute für die Litauer Airiné und Titas Gitarre spielte (beide 28, beide beabsichtigten heute noch, etwa 6 Stunden lang zu den Nordwestfjorden zu reisen!?) -später spielte ich auch noch für Andere Küchenbesucher – gab es vor 5 Jahren wohl noch nicht.
Herzliche Grüße also auch an all jene, die dies miterlebten und DANKE FÜR DIE BEGEGNUNGEN!!!

Vergesst aber EINES nicht: wir ALLE verpassen immer fast alles. Nur einen achtmilliardsten Teil können wir „temporär“(?) als „eigenes“, gegenwärtiges Fenster nutzen, besonders dann, wenn wir in den 8 000 000 000 anderen „Fenstern“ ausschließlich Menschen ERBLICKEN KÖNNEN.

Sem bereicherte mich in Hvalfjörður mit einem schönen Akronym: “GAIL” -Ganz Ankommen Im Leben.

Danke, lieber Sem.

Morgen geht’s über einen um 100 m höheren Pass als heute ins 90 km entfernte Akureyri. Morgens soll es nicht regnen und kaum Wind geben. Sagt jedenfalls die Wettervorhersage…

Das will ich zu nutzen versuchen.

 

Oh, jetzt habe ich doch noch geschrieben…

 

1. NACHTRAG zum 22. Juni in Vermahlið, ergänzt am Fr., 26.Juni in Egilstadir nach vollzogener 3. Umrundung Islands am Donnerstagmorgen(25..06) um 4.30 Uhr und etwa 1318 Radler- und 120 Buskilometern in  nur 13 Tagen, zieht man den Ruhetag in Ferstikla am Hvalfjörður ab. Genaueres dazu folgt im Beitrag zum 25.06.(s. ggf. dort)…

“Da schlafe ich wohl schon, werde aber sicher geweckt werden…” schrieb ich oben. Ja, um 20.30 Uhr schlief ich ein und hörte um 22.30 Uhr “im Traum” ‘engelhafte’, isländische Stimmen, die sich erkundigten, ob das Zelt besetzt sei. Ich antwortete auf Isländisch und blickte in staunende “irdisch engelhafte” Gesichter zweier hübscher junger Mädchen voller Staunens,  und Verwunderung, dass ihr Gegenüber weiterhin  die digitale Erledigung der Platzgebühr in deren Muttersprache realisiert. Weil ich danach nicht gleich wieder einschlief und nicht vor dem Wecker noch einmal das Zelt verlassen wollte, ging ich zur Toilette.

 

Links Toiletten, rechts Duschen.

Bilder zum 1. Nachtrag aus Egilstadir:

 

2. Bild oben: mein Platz mit Wäscheleine (nachts regnete es, sodass alles nass blieb).

Bild oben: Jóhann, der sich selber für meine Reise interessierte und viele Details davon erfuhr, wollte sehr gern meine Bearbeitung des isländischen Liedes Söknuður (Trauer/Vermissen)von Vilhjámur Vilhjámsson von 1977, welcher mit nur 32 Jahren bei einem Verkehrsunfall in Luxemburg tödlich verunglückte hören.

Für ihn und dessen Frau, die ich auch kennenlernte, holte ich die Gitarre.

“Meine” Version, angelehnt an eine spätere Interpretation von Jóhann Helgasson, kannte ich bei meiner Reise 2021 noch nicht. Erstmalig spielte ich sie 2022 bei einer Benefizveranstaltung der Rudolf Steiner Schule Bochum beim musikalischen Rückblick auf meine 3100 km Islandtour damals, als ich vor der Schiffspassage auch noch Freunde in Dänemark (u.a. in Århus) besuchte.

Dieses obige Foto entstand “nachts” und ich erfuhr erst aufgrund des erwähnten Toilettenganges, dass Jóhann auf Facebook ein Video meines spontanen musikalischen Angebotes präsentiert hatte. Und da erfuhr ich auch erst, dass Jóhann und Frau durch schwere Schicksalsschläge zwei ihrer Söhne auf der Erde vermissen. Einer von ihnen verlor sein Leben bei einem Verkehrsunfall 2003.

Selfie 1. Bild unten: Johann, der mir soeben “nachts” die Facebucheintragung zeigte.

Selfie 2. Bild unten: Jóhann und ich mit den ‘irdischen Engeln’ Súsanna(rechts) und Kamilla die mir “nachts” im Varmahlíð noch länger Gelegenheit boten, über meine “Heldentaten” zu berichten und sie zu ertragen…

Jóhann rüstet beruflich u.a. Schulen mit Turn-, Sport- und Fitnessgeräten aus, auch die Waldorfschule in Leykjarbotnum nahe Reykjavik, auf deren 3. Besuch ich aus oben geschilderten Umständen heraus, diesmal verzichten mussste…

 

 

 

Unten: Starfotos zweier Reisemaskottchen: Die Bergziege ist bei allen meinen Solotouren seit 2006 dabei gewesen, der Schlittschuh ist erst seit der 8. Tour 2025 (s.dort.) dabei.

 

Diesen Beitrag teilen: