MI, 24. JUNI: 144 km von Reykjahlíð bis zu “meinem Wäldchen” 27 km vor Egilstaðir.
Es hätte sein können, das meine erste Übernachtungsstelle nach der Ankunft in Seyðisfjörður 2021 in 2026 nicht mehr frei zugänglich ist, oder, dass ich sie nicht wiederfinde. In beiden Fällen wäre ich dann weitere 27 km bis nach Egilstadir geradelt und geschätzt schon am heutigen Mittwoch zwischen 20 und 21 Uhr dort angekommen. Das hieße – rechnet man den bis dahin einzigen Ruhetag meiner letzten Islandtour in Ferstikla am Hvalfjörður ab – ich hätte gar nur 12 Tage für diese dritte Vulkaninselrunde per Rad mit “Roggenbrotmotor”, mit über 1300 hauptsächlich auf dem Hringvegur/der Ringstraße 1 zurückgelegten Kilometern benötigt.
Darauf, also auf den (wahrscheinlichen) „Weltrekord für 72-Jährige für die Islandrunde im Uhrzeigersinn gefahren (mit tschechischer Reisegitarre im Gepäck, angetrieben nur durch eigene Pedalkraft, also von dem „Roggenbrotmotor “)* kam es mir auch dieses Mal gar nicht an.
Zumal ich nach überstandener höchster Lebensgefahr meiner gesamten Radlerpräsenz überhaupt schon am Starttag (Fr., 12.06.2026) von Egilstaðir aus in Richtung Djupivogur bei der Abfahrt über eine für Radfahrer absolut unwegsame Strecke auf etwa 250 Höhenmetern und einem Gefälle von etwa 20% durch ganz plötzlich und überfallartig in Zickzackrichtung auftretende mehr als orkanartige Fallwinde samt Rad einfach seitlich auf den Schotterboden “geschossen” wurde und kurzzeitig (zum Glück) mitten auf der Fahrbahn (und fast unverletzt) liegenblieb…
*Warum erinnere ich mich bloß jetzt gerade an einen damals etwa 45-jährigen norwegischen Radler mit “fiependem” Anhänger hinter sich, dem ich bei meiner 10.000 km- Radtour 2013 um Skandinavien herum irgendwo östlich des Nordkap begegnete und welcher nach 3(!) überlebten Herzinfarkten beschloss, sein Leben zu ändern, sportlich zu werden und sich aufmachte , für das “Guinness Buch der Rekorde” innerhalb von 6(?) Wochen und ausgestattet mit Fahrrad, Anhänger und drei heliumgefüllten Luftballons (mittels Schnürchen am Helm befestigt), die vier geografischen Pole Norwegens zu erreichen.
Drei dieser Ziele hatte er schon passiert, ob er den Ostpol erreichte, weiß ich nicht, weil er viel langsamer pedalierte als ich und ich ihn trotz halbstündigen Wartens an der nächsten Brücke nicht wiedersah…???
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Ich fand “mein Wäldchen” nach 144 km (es wurde die zweitlängste Etappe dieser Tour, länger waren nur die 200 km von Jökulsarlón, an der Gletscherlagune bis Vik, dem südlichsten Zipfel Islands) und ich übernachtete so heute im Lärchenwäldchen.
2021 war das Wäldchen noch niedriger und das kleine Plateau daneben leer.
Heute war dieses „geschmückt“ endurch einen wilden „Autofriedhof“ und Unrat daneben.
Vor bald fünfzig Jahren schon, bei unseren ersten Fahrten längs der norwegischen Fjordküste sahen wir dort mitunter, wie entsorgte Fernseher, Kühlschränke, Waschmaschinen, Mobiliar usw. die schöne Küste „verzierten“. Immer waren wir uns aber sicher, dass Menschen, nicht aber freilebende Tiere Urheber dieser „Kunstwerke“ waren. Und, ganz ehrlich, wie oft entstehen und wachsen bei uns heutzutage überall wilde Müllkippen, wenn Zeitgenossen sich zufällig eines erstes Teils irgendwo entledigen, weil sie es zuhause nicht mehr verwerten können?
Das Lärchenwäldchen erfreute mich wieder. Dieselben Vogelstimmen erklangen darin wie beim letzten Mal, ergänzt von knarzenden Lauten der vielen Schneehühner die unsichtbar, weil schon im Sommergewand, sich über mich als Eindringling verständigten. Anderswo flogen sie bei dieser Tour lange bevor ich sie bemerkt hatte mit lautem Geflatter weg.
Ich weiß natürlich auch, dass nicht Schneehühner, sondern wir Menschen unsere „Werkzeuge aus einem anderen Jetzt hier entsorgt haben…
Übrigens, wie Reykjavik wörtlich „rauchende Bucht“ heißt, bedeutet „Reykjahlíð” in etwa “rauchender Berghang”.
Ich startete, kurz bevor der Regen begann, der mich etwa 50 km weit auf der Hochebene von 400-600 Höhenmetern plätschernd begleitete. Nach dieser Strecke holten mich bei einem Aufstieg gut polnisch sprechende tschechische Motorradfahrer aus der Grenzstadt Cieszyn/Teschen ab. Petr und Juro ICH GRÜSSE EUCH(!) lernte ich am Campingplatz kennen (wir sprachen viel miteinander, ich musizierte) , ihre vier Kumpel zogen es vor, vor dem Regen in Hütten zu “fliehen”.
Mich überholend jubelten sie stark gestikulierend mir zu, wohl staunend, welche Strecke ich bereits zurückgelegt hatte. Ihr Weg führte nach Seyðisfjörður, die Fähre nach Dänemark ging von dort schon morgen ab.
Ich genoss die Strecke zwischen Mývatten und Vopnafjörður in vollen Zügen, lernte ich doch so auch das Innere Islands besser kennen.
Und natürlich war es auch ein Genuss bis zum Ziel bei guter Sicht die verschneiten Hänge von Islands Östlichem Küstengebirge in der Ferne zu sehen und sich ihm langsam zu nähern. Besonders einprägend auch die gut 30 km lange Abfahrt von etwa 600 auf 170 Höhenmeter bis zu “meinem Übernachtungsplatz”…













































“In Kursivschrift VORBERICHT, bevor ich am 27.06. in Egilstaðir den Tagesbericht vor dieser Fotoserie schrieb: Liebe Freunde, ich werde voraussichtlich schon am morgigen Donnerstag, nur 2 Wochen nach Ankunft in Seyðisfjörður meine Runde beendet haben und genügend Muße finden, um knapp eine Woche lang vom noch 165 km entfernten Egilstaðir oder dem Fährhafen Seyðisfjörður genauer über vieles zu berichten und paar Bilder zu versenden.
Alles ist in Ordnung und ich bin glücklich, gerade diese dritte und meine letzte Fahrradrunde um Island herum unternommen zu haben.
Vor allem, weil ich gelernt habe, dass es doch möglich ist, auch nach “Nachtfalkenart” in Island wie in Skandinavien oder anderswo in Europa NOCH unterwegs zu sein, per Rad mit “Roggenbrotmotor”.
Vor 10 Jahren gab ich hier nach einer Woche -und vielfach stark frierend- die Nachtfahrten auf.
Jetzt – im Telegrammstil ein paar Koordinaten, damit Ihr wisst, warum ich schon heute von Reykjahlíð/Mývatten abreise:
Di., 23 Juni: 3.30 Uhr Start in Varmahlíð, 100 km Kletterpartie über den 540 m hohen Pass nach Akureyri.
Ankunft 15.30 Uhr
Nach Busverbindung für morgen über den für Radler verbotenen 7 km langen Tunnel erkundigt.
Alter Campingplatz im Zentrum von Akureyri ist aufgegeben worden. Neuer Platz 6 km außerhalb gelegen. Am internationalen Flugplatz von Akureyri sah ich, dass 2 h später ein Bus zum Mývatten fährt.
Regen in Akureyri, zieht auf, später auch in Mývatten, Prognosen für Egilstadir deutlich besser.
Nachdem ich 2016/2021 schon über den Bergpass nach Akureyri radelte, wollte ich die stark verkürzte Busverbindung per Tunnel nutzen.
Ankunft Mývatten dadurch schon um 18.15 Uhr.